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Wenn Fachkräftemangel zur Überlastung wird

Wahrscheinlich denken Sie, dass Überlastung im Berufsleben und Fachkräftemangel zwei verschiedene Themen sind. In Wirklichkeit haben sie aber einiges gemeinsam.

Überlastung im Berufsleben ist aktuell ein sehr relevantes Thema, dem viele nicht so viel Bedeutung beimessen. Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte erzählen, um das Thema einzuführen: Einmal sagte mir ein Kollege, dass er an einem normalen Tag nach Hause kam und sein Haus leer war. Für einen Moment dachte er: Wo ist meine Familie? Wurde das Haus aufgebrochen? Doch dann wurde ihm klar, dass seine Familie einfach aufgegeben hatte, auf ihn zu warten, denn er war immer abwesend. Er hatte nur für den Beruf gelebt und am Ende vergessen, seine Familienbeziehungen zu pflegen.

Manche tragen aus Stolz eine Last auf dem Rücken, weil sie denken, dass die Einstellung von Mitarbeitern zusätzliche Kosten verursacht, oder weil sie sich einfach auf ihre eigene Arbeit verlassen. Entweder, weil man Überstunden machen muss oder weil keiner Interesse an den angebotenen Stellen hat. Doch kostet diese Last die Familie oder sogar die mentale Gesundheit? Diese kurze Geschichte zeigt, dass Effizienzberatung auf vielen Ebenen eines Unternehmens eingesetzt werden kann.

Die Effizienzberatung umfasst nicht nur die Entwicklung von Einkauf, Ressourcen und Vertrieb, sondern auch die Optimierung von Arbeitssystemen. Selbst wenn der Geschäftsführer beruflich überlastet ist, kann eine Lösung gefunden werden, die eine ausgewogene Work-Life-Balance für jeden Mitarbeiter ermöglicht.

Eine Strategie in der Arbeitssystemoptimierung ist beispielsweise die Fachkräftevermittlung. Manche Unternehmen stoßen jedoch auf ein weiteres Problem: Bei Stellenausschreibungen gibt es nicht genug Kandidaten, was momentan in diesem Kontext zum Fachkräftemangel führt. Eine mögliche Lösung ist die Einstellung ausländischer Fachkräfte.

Der Fachkräftemangel zählt zu den größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. Der Fachkräftereport des DIHK (2025) zeigt, dass 83 Prozent der befragten Unternehmen auch in den kommenden Jahren mit negativen Folgen durch unbesetzte Stellen rechnen. Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der demografische Wandel: Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales weist in seiner Fachkräftestrategie darauf hin, dass die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, während die nachrückenden, deutlich kleineren Jahrgänge diese Lücke nicht vollständig auffangen können (2025).

Nach Berechnungen des BMAS-Fachkräftemonitorings (2025) werden allein bis 2026 rund 240.000 mehr Arbeitsplätze neu zu besetzen sein als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Was zunächst wie ein abstraktes demografisches Problem erscheint, ist für viele Unternehmen längst betrieblicher Alltag. Offene Stellen bleiben unbesetzt, Projekte verzögern sich und die Belastung der bestehenden Belegschaft steigt.

Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit weist für 2025 insgesamt 157 sogenannte Engpassberufe aus, Berufe, in denen offene Stellen besonders schwer zu besetzen sind. Besonders betroffen sind demnach Pflege- und andere Gesundheitsberufe sowie Bau- und Handwerksberufe (vgl. ebd.).

Die Bundesagentur für Arbeit (2026) registriert ein wachsendes Interesse am deutschen Arbeitsmarkt: Bis Ende 2025 stieg die Zahl der digitalen Beratungen für Interessierte aus dem Ausland auf insgesamt 360.000. Allein zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse führte die BA 2025 rund 23.600 Beratungen durch

Diese Zahlen zeigen, dass Deutschland sich aktiv für internationale Fachkräfte öffnet, doch im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe reicht das allein nicht aus. Wer heute erfolgreich rekrutieren will, muss sich gezielt positionieren und dort ansetzen, wo tatsächlich ungenutztes Potenzial vorhanden ist.

Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick zunehmend auf Regionen mit langfristigem Fachkräftepotenzial. Ein besonders vielversprechender Partner ist dabei die MENA-Region, insbesondere Marokko. Nach Angaben von World Economics (2025) liegt das Medianalter der marokkanischen Bevölkerung bei rund 30 Jahren und damit deutlich unter dem Deutschlands.

Während Deutschland vor einem schrumpfenden Erwerbspersonenpotenzial steht, wächst in Marokko weiterhin eine junge Generation heran, die in den Arbeitsmarkt eintritt. Darüber hinaus investiert Marokko seit Jahren gezielt in den Ausbau seines Bildungs- und Ausbildungssystems. Die Weltbank (2025) hebt hervor, dass insbesondere die berufliche und technische Bildung kontinuierlich ausgebaut wird und die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen gestärkt werden soll. Auch die OECD (2024) betont, dass Marokko sein Bildungssystem reformiert und insbesondere technische Kompetenzen sowie arbeitsmarktrelevante Qualifikationen weiterentwickelt.

Laut OECD (2024) gewinnt gleichzeitig Englisch im marokkanischen Bildungssystem zunehmend an Bedeutung, während Französisch bereits in weiten Teilen des Hochschul- und Ausbildungswesens als Unterrichtssprache etabliert ist. Diese Entwicklungen schaffen gute Voraussetzungen für die internationale Fachkräftegewinnung und erleichtern die berufliche Integration qualifizierter Fachkräfte in europäische Unternehmen.

Fazit

Vor diesem Hintergrund verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der Unternehmen und internationale Fachkräfte von Beginn an begleitet. Gemeinsam mit erfahrenen Partnern aus Deutschland und Marokko, darunter Sprachschulen, Bildungsinstitutionen sowie weiteren Akteuren der Fachkräftegewinnung, schaffen wir die Voraussetzungen für eine nachhaltige Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Unser Ziel ist es dabei nicht, kurzfristige Personalengpässe zu überbrücken, sondern Unternehmen beim Aufbau langfristiger und belastbarer Fachkräftestrategien zu unterstützen.

Der Fachkräftemangel wird Deutschland auch in den kommenden Jahren begleiten. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Unternehmen internationale Fachkräfte in ihre Personalstrategie einbeziehen sollten, sondern wie sie diesen Schritt erfolgreich und nachhaltig gestalten.

Quellen

Bundesagentur für Arbeit. (2025). Fachkräfteengpassanalyse 2025.<https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Fachkraeftebedarf/Fachkraefteengpassanalyse/Fachkraefteengpassanalyse.html>, abgerufen am 28.07.2026.

Bundesagentur für Arbeit. (2026). Fünf Jahre Fachkräfteeinwanderungsgesetz.<https://www.arbeitsagentur.de/presse/2026-07-fuenf-jahre-fachkraefteeinwanderungsgesetz>, abgerufen am 28.07.2026.

Bundesministerium des Innern. (2024). Ein Jahr neues Fachkräfteeinwanderungsgesetz: Zahlen ausländischer Fachkräfte, Studierender und Auszubildender steigen deutlich.<https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2024/11/fachkraefteeinwanderung.html>, abgerufen am 28.07.2026.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales. (2022). Fachkräftestrategie der Bundesregierung.<https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Fachkraeftesicherung/Fachkraeftestrategie/fachkraeftestrategie.html>, abgerufen am 28.07.2026.

Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK). (2025). Fachkräftereport 2025/2026: Engpässe bleiben eine Herausforderung.<https://www.dihk.de/resource/blob/159714/0ae2cf7cc1789688edf318a7655ad5d4/dihk-fachkraeftereport-2025-2026-data.pdf>

Europäische Kommission. (2026). Morocco.<https://north-africa-middle-east-gulf.ec.europa.eu/countries/morocco_en?prefLang=de>, abgerufen am 28.07.2026.

OECD. (2024a). International migration outlook 2024.<https://www.oecd.org/en/publications/international-migration-outlook-2024_50b0353e-en.html>, abgerufen am 28.07.2026.

OECD. (2024b). OECD economic surveys: Morocco 2024.<https://www.oecd.org/en/publications/oecd-economic-surveys-morocco-2024_80777ea7-en.html>, abgerufen am 28.07.2026.

Statistisches Bundesamt. (2025a). Fachkräfte.<https://www.destatis.de/DE/Im-Fokus/Fachkraefte/_inhalt.html>, abgerufen am 28.07.2026.

Statistisches Bundesamt. (2025b). Demografischer Wandel.<https://www.destatis.de/DE/Im-Fokus/Fachkraefte/Demografie/_inhalt.html>, abgerufen am 28.07.2026.

Statistisches Bundesamt. (2026). Zuwanderung.<https://www.destatis.de/DE/Im-Fokus/Fachkraefte/Zuwanderung/_inhalt.html>, abgerufen am 28.07.2026.

World Bank. (2020). Morocco, skills development for employment: The role of technical and vocational education and training.<https://documents1.worldbank.org/curated/en/919151593565793405/pdf/Morocco-Skills-Development-for-Employment-The-Role-of-Technical-and-Vocational-Education-and-Training.pdf>, abgerufen am 28.07.2026.

World Economics. (2025). Morocco's median age.<https://www.worldeconomics.com/Demographics/Median-Age/Morocco.aspx>, abgerufen am 28.07.2026.