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Artikel-Juli 2026

Was haben Knochenporzellan und Schwangerschaftstests gemeinsam?

Auf den ersten Blick haben diese beiden Produkte nichts miteinander zu tun. Schaut man genauer hin, ergeben sich überraschende Gemeinsamkeiten.

1. Die Produkte

Auf der einen Seite steht Knochenporzellan, auch Bone China genannt, ein feines und besonders widerstandsfähiges Material mit hoher Transparenz. Im Gegensatz zu herkömmlichem Porzellan, das überwiegend aus mineralischen Rohstoffen wie Kaolin, Quarz und Feldspat besteht, enthält Knochenporzellan zusätzlich Knochenasche, die meist aus Rinderknochen gewonnen wird, wie die Website Vegpool (2022) berichtet. Außerdem verleihen die darin enthaltenen Calciumverbindungen dem Material seine charakteristische Festigkeit und sein leicht durchscheinendes Erscheinungsbild. Vielen Konsumenten ist dies jedoch nicht bewusst, obwohl Knochenporzellan häufig als hochwertiges Alltagsgeschirr verwendet wird. Nach der Brockhaus-Enzyklopädie Online beträgt der Anteil der Knochenasche etwa 40 Prozent. Je nach Hersteller kann der Prozentsatz jedoch variieren.

Auf der anderen Seite stehen Schwangerschaftstests, bei deren Herstellung bislang häufig tierische Produkte eingesetzt werden. Für den Nachweis einer Schwangerschaft werden Antikörper benötigt, die das menschliche Schwangerschaftshormon erkennen. Laut Ärzte gegen Tierversuche (2024) werden diese Antikörper traditionell mithilfe tierischer Zellen produziert. Für deren Wachstum werden häufig Nährlösungen verwendet, die Bestandteile tierischen Ursprungs enthalten. In einigen Verfahren werden zudem Mäuse zur Herstellung von Antikörpern eingesetzt. Aus diesem Grund gelten herkömmliche Schwangerschaftstests aus veganer Perspektive oftmals nicht als tierfrei, obwohl die tierischen Bestandteile nicht Teil des Endprodukts sind, sondern im Herstellungsprozess verwendet werden.

2. Wichtige Anliegen

Bei Knochenporzellan sind die tierischen Bestandteile im fertigen Produkt für Verbraucher nicht unmittelbar erkennbar. Auch bei Schwangerschaftstests steht für viele Käuferinnen zunächst die schnelle und zuverlässige Klärung einer möglichen Schwangerschaft im Vordergrund, sodass Fragen nach den eingesetzten Produktionsverfahren häufig in den Hintergrund treten. Dadurch bleiben die tierischen Bestandteile und Herstellungsprozesse beider Produkte für viele Menschen weitgehend unsichtbar. Gerade diese geringe Transparenz schafft jedoch Raum für Unternehmen, die gezielt vegane Alternativen entwickeln und damit neue Zielgruppen ansprechen möchten. Die eigentliche spannende Entwicklung liegt dabei weniger in der Frage, ob die erwähnten Produkte nicht immer vegan sind. Entscheidend ist vielmehr, dass durch das Sichtbarmachen solcher bislang oft unbeachteten Produktionszusammenhänge neue Marktbedarfe entstehen. Sobald Konsumenten verstehen, welche Materialien und Verfahren hinter Alltagsprodukten stehen, verändern sich Erwartungen, Kaufentscheidungen und letztlich ganze Produktkategorien.

3. Veränderungen auf dem Markt

Die steigende Nachfrage nach veganen und nachhaltigen Produkten treibt Unternehmen dazu, alternative Produktionsverfahren zu entwickeln. Knochenporzellan wird weltweit in Alltagsprodukten wie Tassen oder Tellern und dadurch auch in Restaurants, Hotels und Fluggesellschaften verwendet. Gleichzeitig entstehen Unternehmen, die tierfreie Alternativen anbieten. Ein Beispiel ist das in Kalifornien gegründete Unternehmen Mikasa, das anstelle von Knochenmehl eine Verbindung aus Calciumoxid und Phosphorsäure verwendet, um die für hochwertiges Porzellan benötigten Eigenschaften zu erzielen.

Auch im Bereich der Schwangerschaftstests entstehen neue Lösungen. So arbeiten Unternehmen an Verfahren, die ohne tierische Antikörper oder andere tierische Bestandteile auskommen. Das Startup Phaeosynt aus Hannover hat die Marke „Hey Mela” für einen veganen Schwangerschaftstest ins Leben gerufen, wie Brigitte (2025) berichtet. Zudem wird der Test aus biobasiertem Kunststoff hergestellt. Diese Entwicklungen zeigen, dass ethische und ökologische Aspekte zunehmend Einfluss auf die Produktentwicklung und die Wettbewerbsstrategien nehmen.

4. Andere Faktoren

Neben veränderten Konsumentenansprüchen beeinflussen auch politische Rahmenbedingungen die Entwicklung solcher Märkte. So erhebt die Europäische Union Antidumpingzölle auf Keramikimporte aus China. Wie Eich (2026) betont, wird im Rahmen einer aktuellen Untersuchung ein einheitlicher Zollsatz von 79 Prozent für verschiedene Keramikwaren festgelegt. Dadurch werden bestimmte internationale Lieferketten erheblich kostenintensiver. Für europäische Hersteller kann dies neue Chancen schaffen, alternative und regionale Produktionsweisen wirtschaftlich und attraktiver zu gestalten. Dies gilt auch für Unternehmen, die tierfreie Alternativen zu Knochenporzellan entwickeln. Die zunehmende Bedeutung widerstandsfähiger und zugleich unabhängiger Lieferketten zeigt, dass Innovationen nicht nur durch ethische Überzeugungen der Konsumenten, sondern auch durch wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen gefördert werden können.

Mit dem Wachstum solcher Alternativen nimmt auch die Bedeutung von Transparenz für vegane Zielgruppen zu. Diese Transparenz bzw. Sichtbarkeit entsteht vor allem über Labels, Zertifizierungen sowie eine gute Platzierung, insbesondere, wenn es um Lebensmittel geht. Der Forsa-Ernährungsreport (2025) zeigt, dass die Bekanntheit veganer Alternativen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich ausgeprägt ist. Insbesondere jüngere Menschen kennen und nutzen solche Angebote häufiger als ältere Konsumenten. Auch wenn diese Zahlen sich auf Lebensmittel beziehen, lässt sich auch ein deutlicher Trend zu tierlosen Alternativen in jüngeren Kohorten erkennen. Dadurch entsteht zugleich ein neuer Wettbewerbsfaktor für Unternehmen, da eine offene Kommunikation über Inhaltsstoffe und Produktionsweisen das Vertrauen vieler Konsumenten stärken kann. Sichtbarkeit und zielgruppengerechte Kommunikation stellen daher wichtige Voraussetzungen für ihre Etablierung am Markt dar. Gleichzeitig reicht die vegane Eigenschaft allein häufig nicht aus.

5. Zusammenfassung

Ein veganer Lebensstil bedeutet, dass das Tierleid nicht nur auf dem Teller endet, wie man oberflächlich betrachtet meinen könnte. Es gibt auch Produkte, die tierische Komponenten enthalten können, von denen man es zunächst nicht erwartet. Dies zwingt Unternehmen, innovativ zu sein, um diese Zielgruppe zu erreichen, die nicht nur ihre Ernährungsweise, sondern auch ihren Lebensstil respektiert.

Zusätzlich beeinflussen wirtschaftliche und politische Entwicklungen den Markt. EU-Antidumpingzölle auf chinesisches Porzellan stärken europäische Hersteller und können nachhaltige sowie vegane Produktionsweisen wettbewerbsfähiger machen und den Anstoß zum Erschließen neuer Lieferketten bringen. Langfristig sind neben ethischen Aspekten vor allem Qualität, Funktionalität und Sichtbarkeit entscheidend für den Erfolg solcher Alternativen.

Damit stellt sich die Frage, welche Rolle Sichtbarkeit künftig einnehmen wird: Wie wichtig sind Informationen über Inhaltsstoffe und Produktionsprozesse bei Alltagsprodukten tatsächlich? Sollte die Politik für mehr Sichtbarkeit solcher Informationen sorgen oder sollte diese Entwicklung dem Markt überlassen bleiben? Und wird Transparenz in Zukunft vor allem ein ethischer Anspruch sein oder zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Unternehmen werden?

Quellen

Vegpool. (2022). Knochen in Porzellan: Wie vegan ist unser Geschirr?<https://vegpool.de/magazin/porzellan-vegan.html> (Verifizierungsdatum: 01.06.2026)

Brockhaus Enzyklopädie Online, Knochenporzellan. , NE GmbH Brockhaus <https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/knochenporzellan> (Verifizierungsdatum: 28.05.2026)

Ärzte gegen Tierversuche e.V. (2024). Veganer Schwangerschaftstest.<https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/news/veganer-schwangerschaftstest> (Verifizierungsdatum: 01.06.2026)

Mikasa. (n.d.). Vegan Bone China.<https://www.mikasa.com/collections/vegan-bone-china> (Verifizierungsdatum: 18.06.2026)

hey mela. (n.d.). Startseite.<https://heymela.de/> (Verifizierungsdatum: 18.06.2026)

Brigitte. (2025). Warum für Schwangerschaftstests bisher Tiere leiden mussten – und was sich endlich ändert.<Brigitte. (2025, September 15). Warum für Schwangerschaftstests bisher Tiere leiden mussten – und was sich endlich ändert.<https://www.brigitte.de/aktuell/gesellschaft/warum-fuer-schwangerschaftstests-bisher-tiere-leiden-mussten---und-was-sich-endlich-aendert-14028412.html > (Verifizierungsdatum: 28.05.2026)

Eich, Stefanie (2026): Antidumping-Keramik mit Ursprung in China. Germany Trade & invest, <https://www.gtai.de/de/trade/eu/zoll/antidumping-keramik-mit-ursprung-in-china-728948> (Verifizierungsdatum: 01.06.2026)

Forsa. (2025). Ernährungsreport 2025: Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung. <https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/forsa-ernaehrungsreport-2025-tabellen.pdf?__blob=publicationFile&v=2> (Verifizierungsdatum: 25.06.2026)